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Artikelreihe: Frauen in der Mathematik

Augusta Ada Lovelace

Augusta Ada Byron Lovelace wurde am 10. Dezember 1815 als einziges Kind von Anna Isabella Millbanke und dem Dichter George Gordon (dem sechsten Lord Byron) in London geboren. Nur einen Monat nach ihrer Geburt verließ Lord Byron die Familie und ging nach Griechenland, wo er bis zu seinem Tod 1824 lebte.

Portrait von Ada Lovelace (17 Kb)
Lady Ada Lovelace
Quelle: The Ada Picture Gallery
Lovelace wurde von ihrer Mutter aufgezogen, die selbst ber mathematische Kenntnisse verfügte, und daher die Studien ihrer Tochter unterstützte. So kam es, daß Lovelace schon in jungen Jahren eine mathematische Ausbildung erhielt, die ungewöhnlich für Mädchen ihrer Klasse war. Dabei ist zu bemerken, daß diese Ausbildung auschließlich durch Hauslehrer und Selbststudium zustandekam, insbesondere besuchte Lovelace keine Universitäten, die im 19. Jh. den Frauen ja verschlossen waren. Freunde der Familie, z.B. Mary Somerville (1780-1872, machte u.a. Untersuchungen zum Magnetismus, zur Himmelsmechanik u. Sonnenstrahlung) und Augustus De Morgan (1806-1871, entwickelte Vorläufer der algebraischen Logik von Boole), konsultierten und berieten Lovelace oft in mathematischen Fragen.

Im Frühjahr 1833 wurde die siebzehnjährige Lovelace als Debütantin der Königin vorgestellt, und besuchte in Folge zahlreiche Bälle und Parties. Auf einer davon traf sie auf Charles Babbage, dessen Schülerin sie im folgenden wurde. Er bestärkte sie in ihren Studien und begann einen regen Schriftwechsel mit ihr. 1835 entwickelte Lovelace erstmals Interesse an der von Babbage konstruierten Differenz-Maschine. Dabei handelte es sich um eine Maschine, die mittels des sog. "Differenz-Verfahrens" automatisch mathematische und astronomische Tabellen berechnen sollte. (Sie wurde jedoch nie vollständig realisiert, da die Kosten zu hoch gewesen wären. Nur ein Teil der "Difference Engine No. 1" wurde 1831 zusammengebaut, und ist bis heute erhalten und voll funktionsfähig.)

Im Jahr 1835 heiratete Lovelace William, Lord King, den späteren Earl of Lovelace, und bekam in den folgenden vier Jahren zwei Söhne und eine Tochter. Die häufige Mutterschaft griff ihre Gesundheit, die nie besonders gut war, weiter an. Nach der Geburt ihres letzten Kindes, in 1840, wurde de Morgan auf Babbages Anregung zu ihrem mathematischen Tutor. Im gleichen Jahr wurde Lord Lovelace Mitglied der Royal Society, und durch ihn hatte Lovelace nun Zugang zu zahlreicher wissenschaftlicher Literatur.

Zu dieser Zeit begann Lovelace sich mit der ebenfalls von Babbage konzipierten Analytischen Maschine zu beschäftigen. Dabei handelte es sich um eine Weiterentwicklung der Differenz-Maschine: War diese nur fähig, eine festgelegte Aufgabe auszuführen, so verfügte die "Analytical Engine" im Gegensatz dazu über die Möglichkeit der Programmierung. (Die Maschine war aufgeteilt in Speicher und Rechenwerk, enthielt einen Satz an Grundoperationen, und konnte mit Lochkarten programmiert werden. Damit stellte sie sozusagen einen mechanischen Computer dar, der sich in der Architektur nur wenig von den elektronischen Rechnern unterschied, wie sie hundert Jahre später entwickelt wurden. Jedoch wurde sie nie gebaut, sondern existierte nur in Babbages Entwürfen.)

Lovelaces Hauptbeitrag zur Analytischen Maschine bestand in der Übersetzung eines Artikels des italienischen Mathematikers L. F. Menabrea, den dieser nach einer Begegnung mit Babbage zu diesem Thema verfaßt hatte. Auf Babbages Anregung hin versah sie den Artikel mit ausführlichen eigenen Notizen und Überlegungen, die insgesamt umfangreicher wurden als das ursprüngliche Werk.

In diesen Anmerkungen verglich sie die Analytische mit der Differenz-Maschine, strich die Überlegenheit der ersteren heraus, und beschrieb den Einsatz von Lochkarten zur Programmierung der Maschine. Dabei führte sie die Unterteilung in Variablen- und Operationen-Karten ein, und erarbeitete als Beispiel fr die Benutzung die benötigten Karten zum Lösen verschiedener algebraischer und trigonometrischer Probleme. Sie entwickelte außerdem die Programmiertechniken, die heute als Schleifenbildung und Rekursion bekannt sind, und schrieb u.a. ein Programm, mit dem die Bernoulli-Zahlen rekursiv berechnet werden konnten (in Zusammenarbeit mit Babbage, mit dem sie die ganze Zeit über in intensiver Korrespondenz stand). Bei der Veröffentlichung des Artikels war Lovelace dazu gezwungen, statt ihres Namens nur die Initialen A. A. L. anzugeben.

Lovelaces angegriffene Gesundheit verschlechterte sich indessen weiterhin, und es stellte sich heraus, daß sie an Krebs litt. Im Jahre 1852 starb sie schließlich, im Alter von sechsunddreißig Jahren, nach monatelangem Leiden an der Krankheit. Beigesetzt wurde sie in der Familiengruft der Byrons in Nottinghamshire.

Die 1980 entwickelte Programmiersprache Ada wurde ihr zu Ehren benannt.

Quellen:

  • "Women Of Mathematics -- A Bibliographic Sourcebook", edited by Louise S. Grinstein and Paul J. Campbell, Greenwood Press 1987; pp. 135-138: "Augusta Ada Lovelace (1815-1852)" by Karen D. Rappaport (Mein Artikel stützt sich hauptsächlich auf diese Quelle.)
  • "Der mechanische Computer des Charles Babbage", von Doron D. Swade, Spektrum der Wissenschaft, April 1993

Literatur:

  • "Sketch of the Analytical Engine invented by Charles babbage, Esq., by L. F. Menabrea of Turin, officer of the Military Engineers" Translation with extensive notes. [Taylor's] Scientific Memoirs, Art. 29 (1843): 666-731. Nachgedruckt in Charles Babbage and His Calculating Engines, Dover, 1961

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